Kula - die Gemeinschaft


In verschiedenen Lebenslagen habe ich in der letzten Zeit die Kraft und die Energie der Kula, der Gemeinschaft, unterschätzt. Ich dachte mir: "Ob ich nun mit mehreren zusammen Yoga mache oder für mich allein ist doch egal. Wenn ich für mich alleine praktiziere, kann ich ja sogar viel besser auf mich eingehen. Oder ob ich nun Arbeitskollegen habe oder allein von zu Hause arbeite ist nicht wichtig - alleine zu Hause habe ich vielleicht sogar weniger Ablenkung und schaffe mehr." Das mag vielleicht stimmen. Ich kenne meinen Körper und seinen Zustand wahrscheinlich selbst am besten und sicherlich arbeite ich effizienter, wenn ich nicht nebenbei den Telefongesprächen anderer ausgesetzt bin. Aber bin ich auch zufriedener? Fühle ich mich getragen und Teil von etwas Größerem, einer Gemeinschaft?

Als Observateurin der Anusara Immersion Workshops ist mir die Kula als tragendes, inspirierendes, nährendes Element meines Lebens wieder bewusster geworden. Ein subtiles Geben und Nehmen durchzieht die Atmosphäre einer Workshop-Gruppe. Feine Energien bringen die Luft im Raum quasi zum flirren - bei mir löst diese satte, volle Lebensenergie zunächst Kopfschmerzen aus. Ich bin überfordert mit all den Schwingungen, die Menschen mitbringen. Wunderbar getragen und Teil der Gemeinschaft - obwohl ich von außen "bloß" zuschaue - werde ich, als ich mich diesen Energieflüssen hingeben kann und mich in die Tragfähigkeit der Kula lehne. Die Augen werden weicher, die Wahrnehmung schärfer. Ich kann jeden einzelnen Schüler deutlicher sehen, mehr erkennen. Ich habe das Gefühl, tatsächlich da zu sein, Raum und Zeit mit den anderen zu teilen.

Unsere Zeit und unsere Gesellschaft trimmt uns auf Effizienz, Zeit ist Geld, gaukelt uns so oft ein falsches Teamverständnis vor und zeigt uns immer wieder auf oft kalt brutale Art, dass wir doch allein sind. Und unsere Leistung allein zählt - sonst verkauft sie jemand anderes. Gerade als Selbstständige begreife ich nun, wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, die dem Austausch mit Gleichgesinnten dienen. Räume, die uns halten, uns Zuflucht geben, um uns zu stärken, zu ermutigen wieder frei zu sein. Das, was uns vielleicht bei vermeintlich störenden, überflüssigen Schwätzchen oder anderen beiläufigen sozialen Kontakten scheinbar an Ressourcen verloren geht, können wir umwandeln. Auch hier entstehen Energien, die uns tragen, uns über Wasser halten, uns in manch dunklem Moment Mut machen. Diese vermeintlich unnötigen Eigenschaften von Gemeinschaft geben uns auf lange Sicht die Kraft und die Motivation, die beste Version unserer selbst zu leben. Tag für Tag.

​​© 2019 Ann-Christin Görtz

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