zu Hause praktizieren


Im Urlaub möchtest Du Dich keinen Verpflichtungen hingeben und vor allem die Zeit an einem anderen Ort genießen und merkst, dass Du Dich gleichzeitig viel intensiver mit Deiner Yogapraxis beschäftigen möchtest. Oder Du warst für eine Weile krank und fühlst Dich gerade fit genug, dass Du wieder Lust hast, den Körper ein bisschen zu bewegen; eine ganze Yogaklasse im Studio aber noch zu viel für Dich ist. Oder Du bist gerade in eine neue Stadt gezogen und kennst Dich in der Yogaszene noch nicht aus und bist noch ohne „Yoga-homebase“. Oder der Stundenplan Deines Yogastudios passt diese Woche überhaupt nicht mit Deiner eigenen Wochenplanung zusammen… Es gibt viele Gründe, warum wir irgendwann anfangen, über eine home practice nachzudenken. Eine Yogapraxis außerhalb des Studios, ohne Lehrer, meist sogar ohne Yoga-Gemeinschaft. Aber wie fängst Du am besten an?

Damit die ersten Versuche etwas leichter fallen, habe ich ein paar Vorschläge zusammengetragen, die Dir als Inspiration dienen können.

  1. Nimm zuerst den Druck aus Deinem Vorhaben: es ist ganz egal wie lange, wie oft, wie intensiv Du für Dich allein zu Hause übst. Wichtig ist, dass Dir Deine Praxis gut tut – die Praxis Dir dient und nicht Du der Praxis.

  2. Entscheide Dich also ohne schlechtes Gewissen und falsch verstandenem Ehrgeiz für eine authentische Intention: Manchmal brauchst Du eher eine etwas Energie schenkende Praxis, vielleicht etwas Restoratives. Manchmal fühlst Du Dich fit wie ein Turnschuh und arbeitest Dich durch schwierige Stellungen durch. Gib Dir die Freiheit, für jede home practice neu zu entscheiden!

  3. Halte Deine Utensilien wie bequeme Kleidung, Deine Matte und eventuell einen Klotz und einen Gurt so verstaut, dass es kein Aufwand ist, sie hervorzuholen.

  4. Manchen erleichtert es das Üben, wenn sie sich einen heiligen Platz in ihrer Wohnung einrichten, einen kleinen Yoga-Ort. Finde heraus, was Dir hilft, Dein Bedürfnis, Asanas, Pranayama oder/und Meditation zu praktizieren, ernst zu nehmen.

Aber wie fange ich nun wirklich an?

  1. Beginne mit der Haltung, die Dir gerade am einfachsten und angenehmsten erscheint und Dich dazu einlädt, weiterzumachen. Für mich war das lange Zeit ein Meditationssitz mit gekreuzten Beinen, wie es oft im Studio unterrichtet wird. Das hat mich an die Unterrichtssituation erinnert und mir signalisiert, dass ich es ernst meine und anfangen möchte. Inzwischen liebe ich es, als erstes Adho Mukha Svanasana (nach unten schauender Hund) zu praktizieren, weil ich gleichzeitig merke, wie es meinem Körper geht und sich schon der Beginn direkt nach Yoga anfüllt. Außerdem ist es eh eine meiner liebsten Stellungen. Aber vielleicht beginnst Du am liebsten in Tadasana (am Anfang der Matte im Stehen), auf allen vieren, im Liegen oder in der Stellung des Kindes? Finde es heraus! Jedes Mal aufs Neue!

  2. Lass Dich dann von Deinem Körpergefühl leiten. Welche Bewegungen würden sich jetzt gut anfühlen? Dabei kannst Du Dich an Folgen orientieren, die Du aus dem Unterricht kennst. Oft wird langsam die Wirbelsäule mit sanften, fließenden Bewegungen beweglich gemacht. Anschließend kannst Du schauen, wie zugänglich Deine Schultern und Dein Becken heute sind und von dort in verschiedene Richtungen weiterarbeiten. Vielleicht ist aber Deine erste Haltung schon genug und Du wählst lieber eine entspannende Stellung, wie Viparita Karani (die Beine an der Wand hochlegen) oder etwas, was ganz gezielt eine körperliche Beschwerde lindert. Versuche in der Wahl Deiner Stellungen undogmatisch und intuitiv zu sein – nach einer Weile findest Du schnell heraus, was Dir gerade gut tut.

  3. Wichtig für den Aufbau einer regelmäßigen home practice ist, dass Du Dich selbst nicht zu sehr unter Druck setzt. Es ist nicht schlimm, wenn Du die Klasse aus dem Unterricht nicht genauso nachmachen kannst. Nimm mit, was Dir wieder einfällt – meist sind die Dinge, die man sich merkt, sowieso gerade genau die richtigen Sachen, die einem am meisten dienen. Trau Dich trotzdem ab und zu, wenn es sich danach anfühlt, auch mal eine nicht so liebgewonnene Stellung heran. Du wirst wahrscheinlich sehen, dass sie sich zu Hause oft ganz anders anfühlt als im Unterricht.

  4. Lass Dich ebenso wenig von der Uhr unter Druck setzen. Meist ist man allein zu Hause etwas schneller unterwegs. Du kannst Dir übers Handy einen Timer einstellen. Entweder für die gesamte Zeit, die Du Dir zum Üben nehmen willst, oder pro Asana. Dies kann auch eine gute Hilfe sein, wenn Du Dir unsicher bist, ob Du beide Seiten gleich lang übst.

Ich hoffe, dass ich die innere Hürde, zu Hause auch mal die Matte auszurollen, etwas einreißen konnte. Versuch’s einfach mal – und wenn Du Fragen hast, hilft Dir Dein/e Yogalehrer/in sicherlich gerne.

Hier noch ein paar Buchtipps, die Dich in Deiner home practice unterstützen können:

Annika Isterling: „Ankommen. Deine Yogapraxis für zu Hause“

Ein Buch, das Euch konkret hilft, eine Praxis zu Hause zu etablieren.

Barbra Noh: „Yoga mit Kraft und Anmut leben“

Ein Buch, das die Grundlagen des Anusara Yoga verständlich und anschaulich zusammenfasst und darstellt. Super auch als Nachschlagewerk für zu Hause geeignet.

Elena Brower & Erica Jago: „Die Kunst der Aufmerksamkeit“

Ein Buch, das inspirierend an der eigenen Praxis arbeitet. Die Karten können einem helfen, eine Intention für seine Praxis zu setzen.