Streben nach Glück


Immer wieder beobachte ich bei mir selbst aber auch bei anderen um mich herum, dass wir dazu tendieren, das haben oder sein zu wollen, was wir im Moment nicht haben oder sind. Das setzt uns im Alltag enorm unter Druck und gibt uns das Gefühl, dass immer noch nicht alles richtig mit uns oder unserem Leben ist. Dass es noch etwas gibt, was wir erreichen müssen, bevor wir endlich glücklich und friedlich sein dürfen. Dabei vergessen wir automatisch das, was wir bereits haben, wertzuschätzen. Denn auch das war ja einmal etwas, was wir unbedingt haben oder sein wollten... Sobald es dann aber da ist oder eingetreten ist, scheint es für uns unwichtig, ja irgendwie normal zu sein. Kaum ein Moment der Dankbarkeit und Demut bevor wir nicht wieder nach etwas Anderem streben.

Wir nehmen über Kontraste wahr. Nur wenn es irgendwo eine Fülle gibt, erkennen wir woanders die Leere und umgekehrt. Der Fokus unserer Wahrnehmung auf den Kontrast lenkt unsere Aufmerksamkeit immer wieder weg von den Dingen, die wir schon erreicht haben und die gerade da sind. Stattdessen streben unsere Gedanken zu den Dingen, die wir als nächstes wollen. Nur so erlangen wir Fortschritt und entwickeln uns weiter. Da dieser Drang zur Weiterentwicklung aber ganz natürlich in den meisten Menschen verankert ist, könnten wir uns ab und zu auch einmal den Luxus gönnen, und im Moment bleiben. Wir können uns erlauben, in den Genuss dessen zu kommen, was wir geschaffen haben, dankbar für unsere eigene Arbeit zu sein und für die äußeren Umstände, die uns da hin gebracht haben, wo wir nun stehen. Wir dürfen einen Moment zur Ruhe kommen und uns in das Wissen hineinentspannen, dass sich doch alles verändern wird und wir früh genug in unser Streben nach Weiterentwicklung und Wachstum zurückkommen.

Unsere Wahrnehmung, die sich so sehr auf die Kontraste fokussiert und uns damit anspornt, weiterzukommen, können wir umlenken und lehren, immer wieder in den Moment zurückzukommen. So steht der Zustand der friedlichen Glückseligkeit nicht immer am weit entfernten Ende des Tunnels sondern gehört genauso wie das Streben nach Entwicklung in den Alltag - als ein balancierter Ausgleich zwischen Bewegung und Ruhen. Vielleicht hilft es, sich während einer Meditation an diese Idee heranzutasten, wenn wir erkennen, dass sich auch hier wieder ein Kontrast verbirgt - erst aus der Ruhe können wir zurück in eine enthusiastische und kraftvolle Bewegung kommen.

​​© 2019 Ann-Christin Görtz

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