Deine Home Practice


Sehr viele Yogastudios und einzelne Yogalehrer*innen haben inzwischen ihre Klassen, so weit es ihnen möglich ist, auf ein online live Format umgestellt. Du kannst also bequem von zu Hause aus vor dem Bildschirm praktizieren, ohne die Anleitung deiner liebsten Lehrer*innen zu vermissen.

Wenn die Yogastudios geschlossen sind, kann dir das auch einen letzten Impuls zum Aufbau deiner persönlichen home practice geben. Ich höre immer wieder, dass viele Lust haben, auch einmal allein für sich ohne Anleitung auf die Matte zu steigen. Oft fehlt aber die Idee für den Anfang, es kommen Zweifel auf, was man jetzt eigentlich machen soll und ob das alles so richtig ist. Im Folgenden ein kleiner Leitfaden, wie es mit deiner home practice klappen könnte:

* Nimm zuerst den Druck aus deinem Vorhaben: es ist ganz egal wie lange, wie oft, wie intensiv du für dich allein zu Hause übst. Wichtig ist, dass dir deine Praxis gut tut – die Praxis dir dient und nicht du der Praxis. * Entscheide dich also ohne schlechtes Gewissen und falsch verstandenem Ehrgeiz für eine authentische Intention: Manchmal brauchst du eher eine etwas Energie schenkende Praxis, vielleicht etwas Restoratives. Manchmal fühlst du dich fit wie ein Turnschuh und arbeitest dich durch schwierige Stellungen durch. Gib dir die Freiheit, für jede home practice neu zu entscheiden! * Halte deine Utensilien wie bequeme Kleidung, deine Matte und eventuell einen Klotz und einen Gurt so verstaut, dass es kein Aufwand ist, sie hervorzuholen. * Manchen erleichtert es das Üben, wenn sie sich einen heiligen Platz in ihrer Wohnung einrichten, einen kleinen Yoga-Ort. Finde heraus, was dir hilft, dein Bedürfnis, Asanas, Pranayama oder/und Meditation zu praktizieren, ernst zu nehmen. Aber wie fängst du nun wirklich an? 1. Beginne mit der Haltung, die dir gerade am einfachsten und angenehmsten erscheint und dich dazu einlädt, weiterzumachen. Für mich war das lange Zeit ein Meditationssitz mit gekreuzten Beinen, wie es oft im Studio unterrichtet wird. Das hat mich an die Unterrichtssituation erinnert und mir signalisiert, dass ich es ernst meine und anfangen möchte. Inzwischen liebe ich es, als erstes Adho Mukha Svanasana (nach unten schauender Hund) zu praktizieren, weil ich gleichzeitig merke, wie es meinem Körper geht und sich schon der Beginn direkt nach Yoga anfüllt. Außerdem ist es eh eine meiner liebsten Stellungen. Aber vielleicht beginnst du am liebsten in Tadasana (am Anfang der Matte im Stehen), auf allen vieren, im Liegen oder in der Stellung des Kindes? Finde es heraus! Jedes Mal aufs Neue! 2. Lass dich dann von deinem Körpergefühl leiten. Welche Bewegungen würden sich jetzt gut anfühlen? Dabei kannst du dich an Folgen orientieren, die du aus dem Unterricht kennst. Oft wird zuerst langsam die Wirbelsäule mit sanften, fließenden Bewegungen beweglich gemacht. Anschließend kannst du schauen, wie zugänglich deine Schultern und dein Becken heute sind und von dort in verschiedene Richtungen weiterarbeiten.

Vielleicht ist aber deine erste Haltung schon genug und du wählst lieber eine entspannende Stellung, wie Viparita Karani (die Beine an der Wand hochlegen) oder etwas, was ganz gezielt eine körperliche Beschwerde lindert. Versuche in der Wahl deiner Stellungen undogmatisch und intuitiv zu sein – nach einer Weile findest du immer schneller heraus, was dir gerade gut tut. 3. Wichtig für den Aufbau einer regelmäßigen home practice ist, dass du dich selbst nicht zu sehr unter Druck setzt. Es ist nicht schlimm, wenn du die Klasse aus dem Unterricht nicht genauso nachmachen kannst oder der Sonnengruß noch nicht sitzt. Nimm mit, was dir wieder einfällt – meist dienen einem die Dinge, die man sich merkt, sowieso am meisten. Trau dich trotzdem ab und zu, wenn es sich danach anfühlt, auch mal an eine nicht so liebgewonnene Stellung heran. Du wirst wahrscheinlich sehen, dass sie sich zu Hause ganz anders anfühlt als im Unterricht. 4. Lass dich ebenso wenig von der Uhr unter Druck setzen. Meist ist man allein zu Hause etwas schneller. Du kannst dir übers Handy einen Timer einstellen. Entweder für die gesamte Zeit, die du dir zum Üben nehmen willst, oder pro Asana. Dies kann auch eine gute Hilfe sein, wenn du dir unsicher bist, ob du beide Seiten gleich lang übst.

Ich hoffe, dass ich die innere Hürde, zu Hause auch mal die Matte auszurollen, etwas einreißen konnte. Versuch’s einfach mal – und wenn du Fragen hast, hilft dir dein/e Yogalehrer/in sicherlich gerne - auch auf rein digitalem Wege.